Cordula's Web. NOAA. Flying away.
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Ich bin ein Gast auf Erden

Paul Gerhardt

Ich bin ein Gast auf Erden
Und hab' hier keinen Stand;
Der Himmel soll mir werden,
Da ist mein Vaterland.

Hier reis' ich bis zum Grabe;
Dort in der ew'gen Ruh'
Ist Gottes Gnadengabe,
Die schleußt all Arbeit zu.

* * * * *

Was ist mein ganzes Wesen
Von meiner Jugend an
Als Müh und Not gewesen?
Solang ich denken kann,

Hab ich so manchen Morgen,
So manche liebe Nacht
Mit Kummer und mit Sorgen
Des Herzens zugebracht.

* * * * *

Mich hat auf meinen Wegen
Manch harter Sturm erschreckt;
Blitz, Donner, Wind und Regen
Hat mir manch Angst erweckt;

Verfolgung, Haß und Neiden,
Ob och's gleich nicht verschuld't,
Hab ich doch müssen leiden
Und tragen mit Geduld.

* * * * *

So ging's den lieben Alten,
An deren Fuß und Pfad
Wir uns noch täglich halten,
Wenn's fehlt an gutem Rat.

Wie mußte sich doch schmiegen
Der Vater Abraham,
Bevor ihm sein Vergnügen
Und rechte Wohnstatt kam!

* * * * *

Wie manche schwere Bürde
Trug Isaak, sein Sohn!
Und Jakob, deßen Würde
Stieg bis zum Himmelsthron.

Wie mußten sie sich plagen!
In was für Weh und Schmerz,
In was für Furcht und Zagen
Sank oft sein armes Herz!

* * * * *

Die frommen, heil'gen Seelen,
Die gingen fort und fort
Und änderten mit Quälen
Den erstbewohnten Ort;

Sie zogen hin und wieder,
Ihr Kreuz war immer groß,
Bis daß der Tod sie nieder
Legt' in des Grabes Schoß.

* * * * *

Ich habe mich ergeben
In gleiches Glück und Leid;
Was will ich besser leben
Als solche große Leut?

Es muß ja durchgedrungen,
Es muß gelitten sein;
Wer nicht hat wohl gerungen,
Geht nicht zur Freude ein.

* * * * *

So will ich zwar nun treiben
Mein Leben durch die Welt;
Doch denk' ich nicht zu bleiben
In diesem fremden Zelt.

Ich wandre meine Straßen,
Die zu der Heimat führt,
Da mich ohn' alle Maßen
Mein Vater trösten wird.

* * * * *

Mein' Heimath ist dort oben,
Da aller Engel Schaar
Den großen Herscher loben,
Der Alles ganz und gar

In seinen Händen träget
Und für und für erhält,
Auch Alles hebt und leget,
Nach dem's ihm wohl gefällt.

* * * * *

Zu ihm steht mein Verlangen,
Da wollt ich gerne hin;
Die Welt bin ich durchgangen,
Daß ich's fast müde bin.

Je länger ich hier walle,
Je wen'ger find ich Freud,
Die meinem Geist gefalle;
Das meist ist Herzeleid!

* * * * *

Die Herberg' ist zu böse,
Der Trübsal ist zu viel.
Ach komm, mein Gott, erlöse
Mein Herz, wenn Dein Herz will!

Komm, mach ein selig Ende
An meiner Wanderschaft;
Und was mich kränkt, das wende
Durch Deines Armes Kraft!

* * * * *

Wo ich gewohnt indessen,
Ist nicht mein rechtes Haus.
Wenn meine Zeit durchmessen,
Alsdann tret ich hinaus;

Und was ich hie gebrauchet,
Das leg ich Alles ab;
Und wenn ich ausgehauchet,
So gräbt man mir mein Grab.

* * * * *

Du aber, meine Freude,
Du, meines Lebens Licht,
Du zeuchst mich, wenn ich scheide,
Hin vor Dein Angesicht

Ins Haus der ew'gen Wonne,
Da ich stets freudenvoll
Gleich all die helle Sonne
Nebst andern leuchten soll.

* * * * *

Da will ich immer wohnen,
Und nicht nur als ein Gast,
Bei denen, die mit Kronen
Du ausgeschmücket hast;

Da will ich herrlich singen
Von Deinem großen Thun
Und frei von schnöden Dingen
In meinem Erbtheil ruhn.

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